Dienstag, 17. April 2012

ZDF.neo-Reporter bereist die ganze Welt im Tauschrausch



Tauschen bis zum Umfallen

Reporter Michael Wigge bereiste die ganze Welt im Tauschrausch

Tauschgeschäfte sind so alt wie die Menschheit. Michael
Wigge, der seit 2002 als TV-Reporter arbeitet, wollte
sich ein Haus auf Hawaii ertauschen. Mit einem Apfel
fing bei ihm alles an. In Deutschland. Und für ZDF.neo.
Ein Konstanzer Tourist gab Wigges in Mainz für den
angebissenen Bio-Apfel Zigaretten. Ganze 200 Tage hatte
der Reporter Zeit, seinen Traum wahr werden zu lassen.
Ganz neu war die Idee nicht, wie Michael Wigge selbst
in seinem Buch "Wigges Tauschrausch" zugibt. In Nordamerika
hatte er von einem Kanadier gehört, der es über eine
Online-Tauschbörse innerhalb eines Jahres von einer Büroklammer
zu einem Haus gebracht hatte. Wigge allerdings - und das ist
das Reizvolle an den Schilderungen - war auf der ganzen
Welt unterwegs. Er war in Afrika, auf Neuseeland und Australien,
in der Ukraine, in Portugal, in Singapur, Indien, Österreich,
in der Schweiz, in Brasilien, Nordamerika und Hawaii. Die
Flüge bezahlte ZDF.neo für ihn. Trotz der Schützenhilfe durch
das Fernsehen ist die ganze Aktion abenteuerlich genug. Sie
zeigt die Eigenheiten in den einzelnen Ländern in Sachen
Tausch und beleuchtet Charaktere, ob arm oder reich. Michael
Wigge musste Mutproben mit Krokodilen und Schlangen über
sich ergehen lassen, er bestieg den Kilimandscharo und
schrieb sogar einen Rap. Seine Tausch-Aktionen sind meist
spektakulär. Im positiven wie im negativen Sinn. Und machen
eines klar:  Es kostet viel Zeit, Nerven, Überredungskunst
und Gespür, Sachen zu tauschen. Denn der Tauschende muss sich
in sein Gegenüber hineinversetzen und ihm das geben, was der
gerne haben möchte und seine eigene Ware gut anpreisen. In
Tansania wollte niemand die Gold- und Silbertaler haben, weil
die Bewohner sie für falsch hielten und weil sie selber Geld
brauchten. In Tansania bekommt er dann einen Tansanit angeboten,
dessen Wert nach oben großzügig korrigiert wurde. Als Wigge
nicht auf den Tausch eingeht, bekommt er Droh-SMS von einem
halbseidenen Edelsteinhändler. In der Not schreibt Wigge
öfters mal die Medien an, wendet sich an Freunde in und außerhalb
Deutschlands und ist sogar mit einem Milliardär namens Jim Rogers
in Singapur Verabredet. Woher dieser Kontakt stammt und warum
er diesem Mann im Vorfeld Jade versprochen hat, wird nicht
offengelegt. Jedenfalls lernt der Autor immer mehr in Sachen
psychologischer "Tauschführung" dazu und kommt schließlich zu
seinem Haus. Wie das Ganze ausgesehen hätte, wenn kein TV-Team
dabeigewesen wäre und niemand die Flüge bezahlt hätte, sei
dahingestellt. Es ist ein erfrischendes Erlebnis, die
wahnwitzigen Abenteuer zu lesen. Und wer mag, kann den Reporter
ja mal auf Hawaii besuchen und mit ihm Mutproben bestehen oder
sein Haus zu verschönern.
(c) Corinna S. Heyn


Michael Wigge,
Wigges Tauschrausch.
Um die Welt für ein Haus.
Mit Fotos.
Bastei Lübbe Taschenbuch 2012.
www.luebbe.de
Preis: 8,99 Euro