Dienstag, 19. Februar 2013

Die Müslimischer sind weiter auf Erfolgskurs

 

Mymuesli geht auch offline und macht in Kaffee


Vor fünf Jahren wurden die drei Mymuesli-Gründer
noch belächelt. Heute sind Max Wittrock, Philipp
Kraiss und Hubertus Bessau weiter auf Erfolgskurs
und zwar on- und offline. Denn mittlerweile gibt
es das Unternehmen mit den Müslis zum Selbermischen
auch als Ladengeschäfte. Einmal in München am
Viktualienmarkt, dann in Regensburg und in Passau
an der Rosengasse. Die drei Männer studierten noch,
als ihnen beim Zuhören eines Radiospots über Müslis
im Auto die Idee mit der eigenen Firma kam. Bis
zur Realisierung dauerte es aber noch eine Weile. Am
30. April 2007 schließlich war es soweit. Mymuesli
ging online an den Start. Ganz zu Beginn mischten
die drei Jungunternehmer die Müslis noch von Hand,
was sich geändert hat. Eine eigens für die Firma
entwickelte Maschine mixt nun die von den Kunden
georderten Müslis. Doch es gibt auch fertige Mischungen.
Schokomüsli, Mangomüsli, Espressomüsli, Nussmüsli
oder Blaubeermüsli gibt es sogar in der Becher-Version
"to go". Die herkömmlichen Müsli-Dosen, die auch
ins Ausland und an Hotels geliefert werden, sind groß.
Rund 30 Zentimeter und unübersehbar. Die Unternehmer
gehen mit der Zeit und erfinden sich dauernd neu.
Es gibt laufend neue Bio-Müsli-Mischungen wie die
Kickstart für Women oder die Matcha-Version mit
grünem Tee und Pistazien. Das Beerenmüsli entspricht
der vollmundigen, schwelgerischen Beschreibung
im Internet auf der Website. Es ist tatsächlich rot und
die Himbeeren darin wirken wie frisch gepflückt.
Das Kickstart-Müsli für Frauen soll lange satt machen.
Das Schoko-Müsli schmeckt sehr schokoladig. Was
macht den Erfolg der drei Unternehmer aus? Max
Wittrock glaubt an die Reichweite der Blogs, die
wohlwollend mit dem Star-up-Unternehmen im Internet
umgegangen sind. Auch Preise heimsten die drei ein.
Und sie schafften es, sogar in der Finanzkrise zu wachsen.
Ganz neu mischt mymusli nun auch beim Kaffee mit.
In München gibt es ein Green Cup Coffee - Ladenlokal.
Die Firma fährt zweigleisig mit ganz neuen
Herausforderungen. Ladeneröffnungen bedingen

Geschäftsgenehmigungen und eröffnen die Möglichkeit,
die Kunden besser kennenzulernen und zu erforschen.
Max Wittrock studierte Jura in Passau und wäre
übrigens gerne Lokaljournalist geworden.
(c) Corinna S. Heyn

Dienstag, 18. September 2012

Bio-Cookies von knusperreich

Drei Jungs - eine knusprige Idee


Wie drei Studenten ihre Biokeks-Firma in Friedrichshafen am Bodensee gründeten


Die besten Einfälle werden oft in der Not geboren. Manuel Grossmann,
Simon Tüchelmann und Max Finne aus Friedrichshafen brüteten bei
einer Gruppenarbeit in einem Café und hatten nichst zu knabbern.
Da kamen sie auf die Idee mit den eigenen Keksen nach amerikanischer
Art - nur eben biologisch - und der eigenen GmbH. Saftig, groß und
süß mit erlesenen Zutaten sollten sie sein. Sie klapperten Bäcker ab,
ließen erst in Konstanz, dann in Friedrichshafen von Konditor Heinz
Höpker backen. Auf den Namen "knusperreich" für das Keks-
Unternehmen kam Simon Tüchelmann. "Wir durchsuchten das Internet,
ob die Domain noch frei ist und wie oft der Name schon verwendet
wurde", erzählt Manuel Grossmann. Er ist für die Medien der Ansprechpartner
und studiert noch. Simon Tüchelmann hat seinen Abschluss in der Tasche.
Manuel Grossmann mag momentan am liebsten den Himbeer-Cookie, aber
das ändert sich. Im Internet können die leckeren Kekse (www.knusperreich.de)
mit dem Bio-Siegel bestellt werden. Bald auch zum Aussuchen mit den
Lieblingsgeschmacksrichtungen. Luftdicht verpackt und ofenfrisch, sogar
bruchsicher kommen die Cookies dann in einer gelben Pappdose mit
dem fröhlichen Logo in Orange an. Sieben Stück sind in der Probierversion
mit Cranberry-Müsli, Schokotraum, Mango, Klassiker, Himbeer White
Choc, Himbeertraum und Oatmeal Kokos. 2011 gründeten die Jung-
unternehmer ihre GmbH. "Dafür haben wir uns ein halbes Jahr Zeit gelassen.
Die Hälfte der 25.000 Euro musssten wir bereitstellen. Zu dritt war das
machbar", verrät Manuel Grossmann. Das Logo entwarfen sie selbst,
auch über den Kekssorten brüteten die drei gemeinsam mit dem
Konditor. Wichtig war den Gründern, dass es sich um Bio-Cookies
handelt. "Die Himbeeren werden gefriergetrocknet, sodass dass Aroma
bestehen bleibt. Heinz Höpker ist unser Kondidor mit einer kleinen
Backstube, der bäckt", erzählt Manuel Grossmann. Das junge Team
setzt voll auf den Online-Verkauf, will auch in andere Länder wie
die Schweiz oder Österreich versenden. Da in der Schweiz aber Zölle
hinzukommen, wird es auf eine zusätzliche Produktionsstätte im Ausland
hinauslaufen. Auch die Türkei bekundete Interesse. Der Erfolg gibt ihnen
recht, eine Marktlücke entdeckt zu haben. Die Anzahl der Anfragen steigt,
immer mehr Cookies müssen gebacken werden. Neue Creationen kommen
hinzu. Bislang gibt es auch Macadamia und Schoko, Espresso mit
Schokolade, Walnuss mit Schoko, Müsli-Kraftpaket. Business Anels sitzen
mit im Boot und beraten die jungen Leute. Die Qualität überzeugt, denn
die Wiederkaufsrate sei nach eigenen Angaben hoch. Tatsächlich haben
die Wirtschaftsstudenten vom Bodensee eine Marktlücke entdeckt und
einige Firmen ahmen jetzt schon den Begriff "Cookies" nach. Dabei
seien Cookies anders als herkömmliche Kekse, die trocken, kleiner
und häufig nicht biologisch sind. So die Firmeninhaber. Die Zukunft der
drei von der Zeppelin University ist gesichert. Andere Produkte sollen
ins Portfolio genommen werden. Aber das ist noch streng geheim...
(c) Corinna S. Heyn


Ofenfrische Bio-Cookies bei:
www.knusperreich.de
knusperreich GmbH
Manuel Grossmann, Simon Tüchelmann, Max Finne
Karlstr. 13
88045 Friedrichshafen
T. 07541/3755885

Donnerstag, 9. August 2012

Buchkritik: Christian Irrgang, Ostsee linksherum

Leinen los für einen Segel-Sommer


Christian Irrgang bereiste die Ostsee einen ganzen Sommer lang von Norden nach Süden


Christian Irrgang ist Fotograf und Segler. 2010 startete er seinen Sommer-Segeltörn
um die Ostsee im Mail noch in Wollsocken, Ölzeug, Schal und Mütze. Sein Holzboot
ist nicht groß, dennoch wagte Christian Irrgang den Traum, sich ohne Zeitdruck
an der Ostsee im Gegenuhrzeigersinn zu bewegen und sich treiben zu lassen. In
Griechenland war ihm diese Idee in den Sinn gekommen. Die Ostsee ist für ihn eines
der schönsten Segelreviere der Welt. Irrgang startete in Seedorf, dann ging es nach
Swinemünde bis hin zu Estland. Gute Bücher wie ein Schwedenkrimi, ein GPS-System
und eine Kameraausrüstung sind mit an Bord. Seine Schilderungen schreibt er in
Mails. Die Fotos bestechen durch eine exzellente Perspektiv-Kenntnis, durch
farbenprächtige Stimmungen und Eindrücke von Land und Leuten und Schiffen. Er
schließt Freundschaften mit Dagmar und Klaus aus Berlin, feiert mit anderen Seglern
oder liest ein Buch. In Finnland darf er den Mittsommer erleben, der für die
Einheimischen wichtiger als Ostern und Weihnachten zusammen ist. Alle sind im
Ausnahmezustand. Talinn findet Christian Irrgang schöner als Riga. Die kleinen,
verschachtelten Gassen faszinieren ihn. In Hanko geht der Autor baden - ein
erfrischendes erstes Bad in der Ostsee. Ein Besuch im Seefahrtsmuseum in
Mariehamn ist für den ambitionierten Segler Pflicht. Die "Pommern" ist eine
Viermastbark, die sich noch im Originalzustand befindet. Der letzte Reeder Gustav
Erikson fuhr das Schiff als Frachter zwischen England und Australien. Irrgang ist
schwer beeindruckt. Je mehr der Fotograf gen Norden segelt, desto länger bleibt
es hell. Ihm gefällt das, aber in Reposaari wird es gar nicht mehr dunkel. Der Himmel
bleibt klar. In Kemi an der Nordspitze der Ostsee braucht Christian Irrgang
Reparaturtape für sein Großsegel, das einen Riss hat. Das Städtchen deprimiert
in, weil es keine Vergangenheit hat und nicht hübsch ist. Eine Sonntagspredigt
später, schöner blauer Himmel am anderen Tag trösten den Seemann. Auch
die Hilfsbereitschaft unter den Segelern. Seppo Raikamo besorgt ihm einen
neuen 4-PS-Mercury-Motor. Raikamo ist über 70 Jahre alt, Ingenieur, Unternehmer und
Erfinder. Der Stopp in Kemi hat sich für den Reisenden doch noch gelohnt. Die
Aufzeichnungen des Alleinsegelers verraten, dass niemals Langeweile aufkommt. Das
Wetter, der Wind, die Navigation, die Nahrungsbeschaffung sind das A und O, auch
die Intakthaltung des Schiffes. Mal ist Flaute, mal wieder frische Brise. In Schweden
die Überraschung Ende August. Die offizielle Segelsaison ist bereits abgelaufen.
Und der Segler kommt auch nach drei Tagen im Hafen nicht weg, weil das Wetter
nicht mitspielt. Erst als der Wind von Südwest auf West dreht, heißt es: Leinen los.
Das Buch ist eine Bilderbuchreise für Segler und alle, die es werden wollen mit
einzigartigen Fotos.
(c) Corinna S. Heyn

Christian Irrgang,
Ostsee linksherum.
Ansichten eines Segelsommers.
Delius Klasing Verlag 2012.
Mit vielen Farbfotos von Christian Irrgang.
Preis: 22,90 Euro

Freitag, 15. Juni 2012

Buchkritik: Walter Züst, Die Biologin


Eine Frau kämpft für eine naturgerechte Landwirtschaft


Walter Züst schrieb einen engagierten Roman um die Ökologie


Walter Züst war in Grub in der Schweiz als Gemeindeschreiber
tätig. Aufgewachsen ist der Autor 1931 in Wolfhalden als
Sohn eines Seidenwebers und Kleinbauern. Er kennt sich
folglich mit den Metiers des Kleinbauerntums und der
Aufgaben eines Gemeindeschreibers sehr gut aus. In seinem
jüngsten Roman "Die Biologin" entwirft er ein kämpferisches
Pamphlet gegen die Ausbeutung der Natur zugunsten von immer
mehr Profit, Macht und Geldgier. Protagonistin ist die
Züricher Biologin Anna Andreotti, die von ihrem Großvater
Hans Ehrbar wider Erwarten Haus und Hof sowie den Pachtvertrag
erbt. Ehrbar lebte einfach, respektierte die Umwelt, ohne
Wohlstandsmüll zu produzieren. Einen Teil seines Besitzes
verpachtete er an den Landwirt Jack Berger, der eine Weile
in Kanada gelebt hat. Ganz in der Nähe des Hofes produziert
die Firma Krebs Stühle, die bis nach China vermarktet werden.
Geschäftsführer Emil Krebs wittert Morgenluft. Er schickt
seinen geschniegelten Prokuristen Frauenknecht zur Alleinerbin
auf den Hof, um ihr das Land abzuluchsen. Doch sie stellt sich
quer. Sie hat moralische Prinzipien und will das Erbe ihrer
Vorfahren bewahren. Ganz im Sinne von Hans Ehrbar. Statt zu
verkaufen, schwimmt sie gegen den Strom und legt sich mit
der Gemeinde an. Bei dem alten Freund ihres Großvaters
Albert Gutweniger erlernt die Städterin, wie einem Kalb zur
Welt verholfen wird, wie man Kühe melkt und das Heu einbringt.
Anna Andreotti sucht Mitstreiter für ihre Idee, bescheiden mit
der Natur zu leben. Doch es ist nicht einfach in einer Welt,
in der das Kapital regiert. Es ist ein sehr politischer Roman,
der sich auch mit den EU-Subventionen für Großbauern befasst.
Der Stil erinnert an große schweizersche Autoren aufgrund der
Genauigkeit der Sprache sowie der Philosophie für mehr
Gerechtigkeit. Es ist ein kluges Buch über den Wert der
Ökologie und über die Sinnlosigkeit von Kriegen - gewürzt mit einer guten
Prise Humor.
(c) Corinna S. Heyn


Walter Züst,
Die Biologin.
Hardcover.
200 Seiten.
Appenzeller Verlag 2011
Preis: 34,60 Euro/39,80 Sfr.

Mittwoch, 23. Mai 2012

Mit einem Land Rover um die Welt in 8 Jahren


Für acht Jahre hinaus in die weite Welt

Christopher Many schildert seine Weltreise mit dem Land Rover
in bunten Farben

Reisen bildet und baut manchmal Vorurteile ab. Insbesondere,
wenn es sich um Langzeitreisen handelt wie bei Christopher
Many. Der gelernte Bootsbauer aus Bayern erkundete 1997
zunächst die Welt per Motorrad drei Jahre lang. Um sich die
Weltumrundung per Land Rover leisten zu können, arbeitete
er in SChottland und ging mit den gesparten 50.000 Euro
2002 auf Tour. Acht Jahre lang durchquerte er Russland,
die Mongolei, Nord- und Mittelamerika, Südamerika, Afrika,
die Arabische Liga und die Türkei und schrieb ein Buch darüber.
Wie sehr solche Erfahrungen das Bewusstsein schärfen, zeigt
Christopher Many mit seinen messerschafren Beobachtungen
fremder Kulturen. Es gibt nicht die eine Religion, es gibt
nicht das eine Gesetz oder die eine Weltanschauung, sondern
vieles parallel nebeneinander. Er aß unwissentlich einen
Burger mit Rattenfleisch am Mekong. In Argentinien staunte er
über die Gelassenheit der Menschen während der Siesta mit
Matetee. In denussvoller Ruhe genießt der Einheimische von
12 bis 16 Uhr mit geschlossenen Augenlidern seinen Tee - egal
wo er sich befindet und egal, ob ein Kunde im Geschäft ist.
"Für einen Besucher, der diese Lebensart nicht kennt, kann
sie nervenaufreibend sein", schreibt der Autor. Allerdings
fügt er hinzu, dass nicht alle Argentinier faul sind, sondern
dass in Argentinien die erste Methode zur Bluttransfusion
erfunden wurde sowie es den ersten Hubschrauberflug der Welt zu
bestaunen gab. Über die Mongolei weiß er, dass die Mongolen
überwiegend Fleisch essen, viele Rituale pflegen, keine Grenzen
und nur eine Straße haben und so gut wie keinen Analphabetismus
kennen. "Ich kann nicht erkennen, wie Wissen allein durch
Schulbildung erreicht werden sollte, obwohl die Distrikte
Grundschulen haben, erfordert jede weiterführende Bildung eine
lange Reise nach Ulan-Bator", fügt er hinzu. In Russland lernte
er eine unbeschreibliche Gastfreundschaft der Menschen kennen,
die er kaum ausgleichen konnte. In den USA prangerte er die
Todesstrafe an und den Nationalismus der Nordamerikaner.
Obwohl er für seine Rund-um-die-Welt-Tour von den US-Amerikanern
über Nick Baggarly einen teuren Land Rover gesponsert bekam,
wurde Many nicht richtig warm mit dem Land und den Landsleuten.
Das änderte auch diese Reise nicht. Die Südafrikaner werden als
geldgierig und rassistisch gegenüber den Weißen dargestellt.
Es kommt eben immer darauf an, welche Auskunftsquellen ein
Reisender bekommt. Den Biss einer Puffotter überlebte Christopher
Many dank einer guten Behandlung in einem südafrikanischen
Krankenhaus und einem Gegengift. Das Problem mit Aids in Südafrika
sei durch die Promiskuität der Männer entstanden. Ansonsten heißt
es oft, dass mangelnde Aufklärung darübr daran schuld sei, dass
extrem viele HIV-positiv sind. Im Gegensatz zu Russland erfährt
der Cosmopolit, dass Afrika als Land des Handelns und nicht
des Schenkens gilt. Im berühmten Krüger-Nationalpark wählt sich
der Deutsche fasziniert den Mistkäfer als Lieblingstier aus.
Aber auch ds Faultier, das in Costa Rica heimisch ist, begeistert
den Globetrotter wegen seiner Ruhe. "Das ganze Leben spielt sich
in Zeitlupe ab", stellt er fest. In Afrika hört Christopher Many
in der Demokratischen Republik Kongo das erste Mal das Wort "schnell",
als er an 100 Schlepper gerät. Geduld brauchte er auch oft. In
der Mongolei musste er Tage auf Benzin für den Land Rover warten.
Auch mit Krankheiten musste der Dauerreisende kämpfen. Kurz vor
Weihnachten 2008 erkrankte er an Malaria. 41° C Fieber, Schüttelfrost
auf einem Campingplatz in Malawi, wo die Hälfte der Camper krank
waren oder sich davon erholten. Many schluckte Coartem und reiste
trotz Kopfschmerzen weiter zu Malawis Norden auf 2400 Meterrn Höhe.
In Kenia traf er auf Bürger, die Barack Obama verehrten, weil der
amerikanische Präsident kenianische Wurzeln hat. Dschibuti war
teuer. Ein Bananensplit kostete 15 Dollar. "Ausländische Unternehmen
mit hohem Einkommen haben die Lebenshaltungskosten explodieren lassen,
ein einfacher Tourist kann hier nicht lange durchhalten, ohne
pleitezugehen", beschreibt der Verfasser die Lage. Und er erklärt
den wichtigsten Unterschied zwischen einem Reisenden und einem
Touristen. Einen Möchtegern-Hippie ziiert er: "...Das WAHRE Reisen
ist da, wo du mit den Einheimischen in der Eisenbahnabsteige
übernachtet und auf der Straße isst..." Bei aller Sehnsucht nach
Abenteuer und der Ferne fasst Many gegen Ende seines Buches die
Mühsal zusammen, die er erdulen musste: Diebstahl, Durchfall,
Malaria, Soldaten, Schlangenbisse, Minenfelder, Korruption und
Nächte auf Müllhalden. Das Buch ist durch die Ansichten des
Autors sehr politisch - er tut seine Meinung zu fast allem kund,
ob Apartheid, Beschneidungen oder Entwicklungshilfe. Einige
Farbfotos bezeugen eine Tour mit abenteuerlichen Szenen in
Äthiopien, bei der Großwildjagd am Luangwa-Fluss, beim Kokosnussklettern
in Mosambik. So sehr sich Christopher Many auf die Weltreise
gefreut hatte, so wenig behagte ihm die Rückkehr in die deutsche
Zivilisation nach Bayern. Da er sich dort zuvor abmelden musste,
wa er auch nicht mehr existent. Ohne Krankenversicherung, ohne
Job und ohne die Möglichkeit, ein Konto zu eröffnen, kam er nach
"Hause" zurück. Also kehrte er bei seiner Mutter ein und begann
sein Buch zu schreiben.
Ein Abenteuer für alle Leser, die es ihm zumindest in Gedanken
gleichtun wollen. Ein Hauch vom Duft der großen, weiten Welt.
(c) Corinna S. Heyn


Christopher Many,
Hinter dem Horizont links.
Acht Jahre mit dem Land Rover um die Welt.
Delius Klasing 2012.
4. Auflage
Preis: 18 Euro
www.delius-klasing.de

Dienstag, 17. April 2012

ZDF.neo-Reporter bereist die ganze Welt im Tauschrausch



Tauschen bis zum Umfallen

Reporter Michael Wigge bereiste die ganze Welt im Tauschrausch

Tauschgeschäfte sind so alt wie die Menschheit. Michael
Wigge, der seit 2002 als TV-Reporter arbeitet, wollte
sich ein Haus auf Hawaii ertauschen. Mit einem Apfel
fing bei ihm alles an. In Deutschland. Und für ZDF.neo.
Ein Konstanzer Tourist gab Wigges in Mainz für den
angebissenen Bio-Apfel Zigaretten. Ganze 200 Tage hatte
der Reporter Zeit, seinen Traum wahr werden zu lassen.
Ganz neu war die Idee nicht, wie Michael Wigge selbst
in seinem Buch "Wigges Tauschrausch" zugibt. In Nordamerika
hatte er von einem Kanadier gehört, der es über eine
Online-Tauschbörse innerhalb eines Jahres von einer Büroklammer
zu einem Haus gebracht hatte. Wigge allerdings - und das ist
das Reizvolle an den Schilderungen - war auf der ganzen
Welt unterwegs. Er war in Afrika, auf Neuseeland und Australien,
in der Ukraine, in Portugal, in Singapur, Indien, Österreich,
in der Schweiz, in Brasilien, Nordamerika und Hawaii. Die
Flüge bezahlte ZDF.neo für ihn. Trotz der Schützenhilfe durch
das Fernsehen ist die ganze Aktion abenteuerlich genug. Sie
zeigt die Eigenheiten in den einzelnen Ländern in Sachen
Tausch und beleuchtet Charaktere, ob arm oder reich. Michael
Wigge musste Mutproben mit Krokodilen und Schlangen über
sich ergehen lassen, er bestieg den Kilimandscharo und
schrieb sogar einen Rap. Seine Tausch-Aktionen sind meist
spektakulär. Im positiven wie im negativen Sinn. Und machen
eines klar:  Es kostet viel Zeit, Nerven, Überredungskunst
und Gespür, Sachen zu tauschen. Denn der Tauschende muss sich
in sein Gegenüber hineinversetzen und ihm das geben, was der
gerne haben möchte und seine eigene Ware gut anpreisen. In
Tansania wollte niemand die Gold- und Silbertaler haben, weil
die Bewohner sie für falsch hielten und weil sie selber Geld
brauchten. In Tansania bekommt er dann einen Tansanit angeboten,
dessen Wert nach oben großzügig korrigiert wurde. Als Wigge
nicht auf den Tausch eingeht, bekommt er Droh-SMS von einem
halbseidenen Edelsteinhändler. In der Not schreibt Wigge
öfters mal die Medien an, wendet sich an Freunde in und außerhalb
Deutschlands und ist sogar mit einem Milliardär namens Jim Rogers
in Singapur Verabredet. Woher dieser Kontakt stammt und warum
er diesem Mann im Vorfeld Jade versprochen hat, wird nicht
offengelegt. Jedenfalls lernt der Autor immer mehr in Sachen
psychologischer "Tauschführung" dazu und kommt schließlich zu
seinem Haus. Wie das Ganze ausgesehen hätte, wenn kein TV-Team
dabeigewesen wäre und niemand die Flüge bezahlt hätte, sei
dahingestellt. Es ist ein erfrischendes Erlebnis, die
wahnwitzigen Abenteuer zu lesen. Und wer mag, kann den Reporter
ja mal auf Hawaii besuchen und mit ihm Mutproben bestehen oder
sein Haus zu verschönern.
(c) Corinna S. Heyn


Michael Wigge,
Wigges Tauschrausch.
Um die Welt für ein Haus.
Mit Fotos.
Bastei Lübbe Taschenbuch 2012.
www.luebbe.de
Preis: 8,99 Euro