Mittwoch, 23. Mai 2012

Mit einem Land Rover um die Welt in 8 Jahren


Für acht Jahre hinaus in die weite Welt

Christopher Many schildert seine Weltreise mit dem Land Rover
in bunten Farben

Reisen bildet und baut manchmal Vorurteile ab. Insbesondere,
wenn es sich um Langzeitreisen handelt wie bei Christopher
Many. Der gelernte Bootsbauer aus Bayern erkundete 1997
zunächst die Welt per Motorrad drei Jahre lang. Um sich die
Weltumrundung per Land Rover leisten zu können, arbeitete
er in SChottland und ging mit den gesparten 50.000 Euro
2002 auf Tour. Acht Jahre lang durchquerte er Russland,
die Mongolei, Nord- und Mittelamerika, Südamerika, Afrika,
die Arabische Liga und die Türkei und schrieb ein Buch darüber.
Wie sehr solche Erfahrungen das Bewusstsein schärfen, zeigt
Christopher Many mit seinen messerschafren Beobachtungen
fremder Kulturen. Es gibt nicht die eine Religion, es gibt
nicht das eine Gesetz oder die eine Weltanschauung, sondern
vieles parallel nebeneinander. Er aß unwissentlich einen
Burger mit Rattenfleisch am Mekong. In Argentinien staunte er
über die Gelassenheit der Menschen während der Siesta mit
Matetee. In denussvoller Ruhe genießt der Einheimische von
12 bis 16 Uhr mit geschlossenen Augenlidern seinen Tee - egal
wo er sich befindet und egal, ob ein Kunde im Geschäft ist.
"Für einen Besucher, der diese Lebensart nicht kennt, kann
sie nervenaufreibend sein", schreibt der Autor. Allerdings
fügt er hinzu, dass nicht alle Argentinier faul sind, sondern
dass in Argentinien die erste Methode zur Bluttransfusion
erfunden wurde sowie es den ersten Hubschrauberflug der Welt zu
bestaunen gab. Über die Mongolei weiß er, dass die Mongolen
überwiegend Fleisch essen, viele Rituale pflegen, keine Grenzen
und nur eine Straße haben und so gut wie keinen Analphabetismus
kennen. "Ich kann nicht erkennen, wie Wissen allein durch
Schulbildung erreicht werden sollte, obwohl die Distrikte
Grundschulen haben, erfordert jede weiterführende Bildung eine
lange Reise nach Ulan-Bator", fügt er hinzu. In Russland lernte
er eine unbeschreibliche Gastfreundschaft der Menschen kennen,
die er kaum ausgleichen konnte. In den USA prangerte er die
Todesstrafe an und den Nationalismus der Nordamerikaner.
Obwohl er für seine Rund-um-die-Welt-Tour von den US-Amerikanern
über Nick Baggarly einen teuren Land Rover gesponsert bekam,
wurde Many nicht richtig warm mit dem Land und den Landsleuten.
Das änderte auch diese Reise nicht. Die Südafrikaner werden als
geldgierig und rassistisch gegenüber den Weißen dargestellt.
Es kommt eben immer darauf an, welche Auskunftsquellen ein
Reisender bekommt. Den Biss einer Puffotter überlebte Christopher
Many dank einer guten Behandlung in einem südafrikanischen
Krankenhaus und einem Gegengift. Das Problem mit Aids in Südafrika
sei durch die Promiskuität der Männer entstanden. Ansonsten heißt
es oft, dass mangelnde Aufklärung darübr daran schuld sei, dass
extrem viele HIV-positiv sind. Im Gegensatz zu Russland erfährt
der Cosmopolit, dass Afrika als Land des Handelns und nicht
des Schenkens gilt. Im berühmten Krüger-Nationalpark wählt sich
der Deutsche fasziniert den Mistkäfer als Lieblingstier aus.
Aber auch ds Faultier, das in Costa Rica heimisch ist, begeistert
den Globetrotter wegen seiner Ruhe. "Das ganze Leben spielt sich
in Zeitlupe ab", stellt er fest. In Afrika hört Christopher Many
in der Demokratischen Republik Kongo das erste Mal das Wort "schnell",
als er an 100 Schlepper gerät. Geduld brauchte er auch oft. In
der Mongolei musste er Tage auf Benzin für den Land Rover warten.
Auch mit Krankheiten musste der Dauerreisende kämpfen. Kurz vor
Weihnachten 2008 erkrankte er an Malaria. 41° C Fieber, Schüttelfrost
auf einem Campingplatz in Malawi, wo die Hälfte der Camper krank
waren oder sich davon erholten. Many schluckte Coartem und reiste
trotz Kopfschmerzen weiter zu Malawis Norden auf 2400 Meterrn Höhe.
In Kenia traf er auf Bürger, die Barack Obama verehrten, weil der
amerikanische Präsident kenianische Wurzeln hat. Dschibuti war
teuer. Ein Bananensplit kostete 15 Dollar. "Ausländische Unternehmen
mit hohem Einkommen haben die Lebenshaltungskosten explodieren lassen,
ein einfacher Tourist kann hier nicht lange durchhalten, ohne
pleitezugehen", beschreibt der Verfasser die Lage. Und er erklärt
den wichtigsten Unterschied zwischen einem Reisenden und einem
Touristen. Einen Möchtegern-Hippie ziiert er: "...Das WAHRE Reisen
ist da, wo du mit den Einheimischen in der Eisenbahnabsteige
übernachtet und auf der Straße isst..." Bei aller Sehnsucht nach
Abenteuer und der Ferne fasst Many gegen Ende seines Buches die
Mühsal zusammen, die er erdulen musste: Diebstahl, Durchfall,
Malaria, Soldaten, Schlangenbisse, Minenfelder, Korruption und
Nächte auf Müllhalden. Das Buch ist durch die Ansichten des
Autors sehr politisch - er tut seine Meinung zu fast allem kund,
ob Apartheid, Beschneidungen oder Entwicklungshilfe. Einige
Farbfotos bezeugen eine Tour mit abenteuerlichen Szenen in
Äthiopien, bei der Großwildjagd am Luangwa-Fluss, beim Kokosnussklettern
in Mosambik. So sehr sich Christopher Many auf die Weltreise
gefreut hatte, so wenig behagte ihm die Rückkehr in die deutsche
Zivilisation nach Bayern. Da er sich dort zuvor abmelden musste,
wa er auch nicht mehr existent. Ohne Krankenversicherung, ohne
Job und ohne die Möglichkeit, ein Konto zu eröffnen, kam er nach
"Hause" zurück. Also kehrte er bei seiner Mutter ein und begann
sein Buch zu schreiben.
Ein Abenteuer für alle Leser, die es ihm zumindest in Gedanken
gleichtun wollen. Ein Hauch vom Duft der großen, weiten Welt.
(c) Corinna S. Heyn


Christopher Many,
Hinter dem Horizont links.
Acht Jahre mit dem Land Rover um die Welt.
Delius Klasing 2012.
4. Auflage
Preis: 18 Euro
www.delius-klasing.de

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen