Leinen los für einen Segel-Sommer
Christian Irrgang bereiste die Ostsee einen ganzen Sommer lang von Norden nach Süden
Christian Irrgang ist Fotograf und Segler. 2010 startete er seinen Sommer-Segeltörn
um die Ostsee im Mail noch in Wollsocken, Ölzeug, Schal und Mütze. Sein Holzboot
ist nicht groß, dennoch wagte Christian Irrgang den Traum, sich ohne Zeitdruck
an der Ostsee im Gegenuhrzeigersinn zu bewegen und sich treiben zu lassen. In
Griechenland war ihm diese Idee in den Sinn gekommen. Die Ostsee ist für ihn eines
der schönsten Segelreviere der Welt. Irrgang startete in Seedorf, dann ging es nach
Swinemünde bis hin zu Estland. Gute Bücher wie ein Schwedenkrimi, ein GPS-System
und eine Kameraausrüstung sind mit an Bord. Seine Schilderungen schreibt er in
Mails. Die Fotos bestechen durch eine exzellente Perspektiv-Kenntnis, durch
farbenprächtige Stimmungen und Eindrücke von Land und Leuten und Schiffen. Er
schließt Freundschaften mit Dagmar und Klaus aus Berlin, feiert mit anderen Seglern
oder liest ein Buch. In Finnland darf er den Mittsommer erleben, der für die
Einheimischen wichtiger als Ostern und Weihnachten zusammen ist. Alle sind im
Ausnahmezustand. Talinn findet Christian Irrgang schöner als Riga. Die kleinen,
verschachtelten Gassen faszinieren ihn. In Hanko geht der Autor baden - ein
erfrischendes erstes Bad in der Ostsee. Ein Besuch im Seefahrtsmuseum in
Mariehamn ist für den ambitionierten Segler Pflicht. Die "Pommern" ist eine
Viermastbark, die sich noch im Originalzustand befindet. Der letzte Reeder Gustav
Erikson fuhr das Schiff als Frachter zwischen England und Australien. Irrgang ist
schwer beeindruckt. Je mehr der Fotograf gen Norden segelt, desto länger bleibt
es hell. Ihm gefällt das, aber in Reposaari wird es gar nicht mehr dunkel. Der Himmel
bleibt klar. In Kemi an der Nordspitze der Ostsee braucht Christian Irrgang
Reparaturtape für sein Großsegel, das einen Riss hat. Das Städtchen deprimiert
in, weil es keine Vergangenheit hat und nicht hübsch ist. Eine Sonntagspredigt
später, schöner blauer Himmel am anderen Tag trösten den Seemann. Auch
die Hilfsbereitschaft unter den Segelern. Seppo Raikamo besorgt ihm einen
neuen 4-PS-Mercury-Motor. Raikamo ist über 70 Jahre alt, Ingenieur, Unternehmer und
Erfinder. Der Stopp in Kemi hat sich für den Reisenden doch noch gelohnt. Die
Aufzeichnungen des Alleinsegelers verraten, dass niemals Langeweile aufkommt. Das
Wetter, der Wind, die Navigation, die Nahrungsbeschaffung sind das A und O, auch
die Intakthaltung des Schiffes. Mal ist Flaute, mal wieder frische Brise. In Schweden
die Überraschung Ende August. Die offizielle Segelsaison ist bereits abgelaufen.
Und der Segler kommt auch nach drei Tagen im Hafen nicht weg, weil das Wetter
nicht mitspielt. Erst als der Wind von Südwest auf West dreht, heißt es: Leinen los.
Das Buch ist eine Bilderbuchreise für Segler und alle, die es werden wollen mit
einzigartigen Fotos.
(c) Corinna S. Heyn
Christian Irrgang,
Ostsee linksherum.
Ansichten eines Segelsommers.
Delius Klasing Verlag 2012.
Mit vielen Farbfotos von Christian Irrgang.
Preis: 22,90 Euro
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